Startseite               Impressum               Links               Gästebuch  

In den 30´er Jahren war geplant das Berliner U-Bahnnetz auf 200 km Gesamtlänge (200 km Plan) auszubauen. Unter anderem auch eine 2. Strecke (Verlängerung der Strecke von der Uhlandstr.) über den Reichkanzler Platz Richtung Spandau (mit Abzweigung in Pichelsdorf nach Johannisstift und Kladow) zu führen.

Dazu war ein kompletter Bahnhofsneubau im südlichen Bereich des Theodor-Heuss-Platzes geplant. Der Bahnhof sollte (wie der heutige Bahnhof Mehringdamm) 4 gleisig mit 2 Mittelbahnsteigen angelegt werden. 

Untenstehende Grafik wird wahrscheinlich nicht genau den damaligen Plänen entsprechen. Ich habe sie nach den 3 folgenden Hinweisen erstellt:   

1. Der neue Bahnhof sollte an der Südseite des Platzes entstehen. Die bestehende Strecke sollte in Höhe der Soorstr. zur Masurenallee abgeleitet und nach dem neuen Bahnhof in Höhe der Kastanienallee zurück zur Reichsstr. geführt werden. (gelesen auf den Seiten von Marcus Schomacker http://www.berliner-untergrundbahn.de/blind2.htm)

2. Vorhandene Tunnelreste im Keller des Hauses Heerstr.4-6

3. Der Einsturz eines Tunnelrestes 1991 vor dem Haus Heerstr.4-6    

                                          

Durch Ausbruch des Krieges wurde der Bau der Strecke und Teilen des Bahnhofs abgebrochen und dann nie vollendet. Heute ist leider nicht mehr nachvollziehbar, in wie weit unter dem Theodor-Heuss-Platz und in der Heerstraße gebaut wurde bzw. was davon noch vorhanden ist. Tunnelteile sind während des Krieges als Luftschutzkeller benutzt worden und die Kellerwände der Häuser Heerstr. 4 - 6 bestehen zu Teilen noch aus diesen Tunnelresten. 

Ende 1945 sind die Tunnel unter der Heerstr. (Ironie Ihrer letzten Bestimmung), sogar mit Müll aufgefüllt worden.

(aus www.Berlinische-Monatsschrift.de, Artikel von Maria Curter)

1954 erinnerte man sich noch einmal an den Tunnel und zog die damals beim Bau verwendeten Eisenträger, um diese in der Weddinger Müllerstraße beim Bau der U6 Verlängerung nach Tegel weiter zu verwenden.

                                     

                                                                       

 

 

Haus Heerstaße 4, 4a, 6, rechts der Theodor-Heuss-Platz

 

 

                                      

                                     

                                                                                

 

 

Der Keller des Hauses Heerstr. 4 - 6, zum Vergleich hier der "normale" Kellerbereich.......

 

 

                                     

                                     

                                                                                                                 

 

 

 ..... und hier in einer Ecke heben sich deutlich Reste von alten Tunnelanlagen ab.

 

 

 

                                      

                                     

                                                                                                                                       

 

 

                     Tunnel - (jetzt Keller-) Decke

                                            

 

 

     

       

           

           

 

Tagesspiegel am 21.09.1991 : "... Fünf Menschen sind am gestrigen Nachmittag auf der Heerstrasse unmittelbar am Theodor-Heuss-Platz von einem abrutschenden Gehweg in die Tiefe gezogen worden. Eine 64 jährige Frau, die dort mit Ihrem Mann spazieren gegangen war, konnte erst am Abend nach fast 3 Stunden aus den Sandmassen an der Hausmauer des Gebäudes Heerstrasse 4 befreit werden, da die dramatischen Rettungsversuche der Feuerwehr immer wieder an dem nachgebenden Erdreich scheiterten. Die Art Ihrer Verletzungen war am Abend noch unbekannt ...."

                   

                     Einsturzstelle am Haus Heerstr. 4-6

                                                                              

                                 

      

Bild am 22.09.1991 "... zwei Tage nach dem großen Erdrutsch, bei dem zwei Männer und eine Frau verschüttet wurden. Not-Teams von Bewag, Gasag und Telekom sichern kaputte Versorgungskabel. Feuerwehr, Polizei und das Bezirksamt sind in Alarmbereitschaft. Die Frage die alle beschäftigt : Drohen die Häuser einzustürzen, müssen die Anwohner evakuiert werden ? "Noch besteht keine akute Gefahr. Die Lage kann sich aber dramatisch ändern, sobald es anfängt zu regnen." erklärt Brandoberrat Dietrich Lehmann. Dann könnte das Fundament unterspült werden". Solange wollten einige Bewohner nicht warten. Sie haben das nötigste gepackt und sind Freunden und Bekannten untergeschlüpft ...."

                            

       

Tagesspiegel am 24.09.1991 ..."Noch ist nicht eindeutig geklärt, ob ein richtiger U-Bahn-Schacht einsackte. BVG-Abteilungsleiter Heinz Leuenberger : " Es ist mit Sicherheit kein U-Bahn-Schacht und er ist auch nicht im Besitz der BVG." Sicher ist nur, daß in den 30er Jahren eine U-Bahn-Linie entlang der Heerstrasse nach Spandau geplant war. Es wäre möglich, daß einige Meter gegraben wurden, der Plan aber niemals ausgeführt wurde..." 

Es folgte ein Leserbrief dazu im Tagesspiegel : ...."Sehr geehrte Redaktion, in den letzten dreißiger Jahren bin ich sehr oft mit meinem Fahrrad vom jetzigen Theodor-Heuss-Platz die Heerstrasse Richtung Spandau gefahren. Dort war vom Platz aus bis ungefähr zur Bayernallee die Straßendecke der Nebenfahrbahn mit Bohlen abgedeckt, weil sich darunter der begonnene U-Bahn-Tunnel nach Spandau befand. Er war also auch an der Stelle, wo jetzt das große Loch entstanden ist. Hans-Jürgen Marx, Berlin 20 ..." 

 

Ein Interview vom Tagesspiegel mit dem damaligen Baustadtrat, Claus Dyckhoff :

Tagesspiegel : Können Sie bereits eine mögliche Ursache nennen, warum der Gehweg an der Heerstrasse absackte ? Offenbar stehen auch Fachleute derzeit noch vor einem Rätsel. 

Dyckhoff : Es ist furchtbar und erschreckend, dass Menschen bei einem solchen Unglück zu Schaden kamen. Die Ursachen des Unglückes liegen in der Vergangenheit. Nach der Planung von Albert Speer war während des dritten Reiches vorgesehen, entlang der heutigen Heerstrasse eine U-Bahn zu bauen, die einen vorgesehenen Hochschulstandort im Westen erschließen sollte. Im Bereich der Unglücksstelle verläuft ein Tunnel, der bereits in den 30er Jahren als Verbindungstunnel der geplanten U-Bahn mit der damals bestehenden Linie 1 gebaut worden ist. Der Schacht liegt etwa 10 Meter unter dem Straßenniveau und wurde während des Krieges als Luftschutzbunker genutzt. Wir wissen auch erst seit Freitagabend davon, als wir die alten Unterlagen aus dem Rathausarchiv überprüften

Tagesspiegel : Was könnte der Grund sein, dass 46 Jahre nach dem Krieg das Erdreich nachgibt ?

Dyckhoff: Möglich wäre, dass das Erdreich durch Wasser aus einem beschädigten Wasserrohr unterspült worden ist, oder aber, dass die Erde sich auf Grund von Bauarbeiten zu einer genehmigten Tiefgarage verdichtete und zusammensackte. Noch ist nicht geklärt. ob das Wasserrohr auf Grund des absackenden Erdreiches brach oder durch die Erschütterungen bei den Bauarbeiten beschädigt worden ist.

     

Tagesspiegel am 24.09.1991 : "...Das Haus ruht auf einer drei Meter dicken Stahlbeton-Brücke, die über einem Schacht errichtet wurde. Die Konstruktion wurde in den 30er Jahren errichtet. Sie war Bedingung, für einen damals geplanten Hausbau. Die U-Bahn-Linie vom damaligen Reichskanzlerplatz nach Spandau sollte unter der Heerstrasse entlangführen. So hätte man bei Ausführung des Planes den U-Bahn-Schacht nachträglich unter dm Haus anlegen können. Das Haus wurde dann aber erst 1956/57 auf der Brückenkonstruktion errichtet. Die Bauverwaltung hatte auf alle Rechte für den Schacht verzichtet. Dem jetzigen Eigentümer .... wurde vom Bauamt die Genehmigung erteilt, eine Tiefgarage zu errichten, es soll aber keine Genehmigung zur Ausschachtung des Tunnels gegeben haben. Der Schacht soll innerhalb der nächsten Tage mit Beton aufgefüllt werden. ..."

 

      

 Bereich der Einsturzstelle 2005. Gut zu erkennen, die unterschiedlichen (Alte und Neue) Kelleroberlichter

                       Hauptseite Theodor-Heuss-Platz                  Startseite